Oliver Kropfs Werke sind aufgebaut durch unzählige Schichten. Ist der
Beginn eine farbige Überdeckung der Leinwand in Hinsicht auf eine
Grundierung, so bleibt von dieser nach Vollendung des Gemäldes nur
mehr selten etwas zu sehen. Er arbeitet diese Grundierung systematisch
zu, setzt mit Hilfe eines Projektors seine Figuren auf die gestische Hinter-
grundmalerei und beginnt dann diese mit den Schichten darunter zu
verbinden. Das vollendete Bild wirkt oft mystisch, teils gar düster, so wie
sich die Figuren in diese Landschaft einfügen und doch meist auch fehl
am Platz wirken.
Die gesetzten Pinselstriche zeugen von einer Kraft und Stärke, aber
gleichsam auch von einer Freude an der Malerei per se. Die spontane
Gestik, die erkennbaren Spuren der Pinselführung werden meist auch in
den stets männlichen Protagonisten aufgegriffen. Oft handelt es sich bei
diesen um typisch klischeehaft besetzte Männerrollen. Der Jäger mit
angelegtem Gewehr auf der Jagd, der Krieger, der auf dem galoppierenden
Pferd seinen Bogen spannt, oder auch der Diktator, der sein Volk anführt.
Und doch sind diese starken Männer verletzlich. So wirkt der Krieger
plötzlich verzweifelt und vergräbt sein Gesicht in seiner Hand, der Clown
verliert seine Allüren als Spaßmacher und wirkt selbst gehetzt und ängstlich...
Hier beginnt die Malerei von Oliver Kropf Fragen auf zu werfen. Was geschieht
hier? Warum steht diese Figur vor dieser scheinbar leeren Hausruine? Auf wen
wird dieser Baseballschläger schwingende schreiende Mann als nächstes
einschlagen? Beklemmung und düstere Vorahnungen mögen im Betrachter bei
diesen Fragen aufkeimen, doch wenn dann die Malerei in ihrer Selbstreferenz
in Bezug gesetzt wird, ist wiederum die malerisch tiefe Qualität vordergründig.
Die Position von Oliver Kropf ist spannend und erfrischend. Collage-artig baut
er seine Gegenstände in den malerischen Hintergrund ein und verbindet in seinen
Werken Mystik und reine Malerei. Und wenn eine rote Figur durch die Himmel-
sphäre fliegt, so sieht der Künstler sich selbst darin, ständig rauf und runter, aber
doch in luftigen Höhen frei fliegend.
Eva Maria Bechter, Text für das Magazin Vernissage, 2006