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Oliver Kropf malt infernalische, abgründige Szenen, die im modernen
urbanen Raum angesiedelt sind. Die verwaiste Peripherie städtischer
Agglomeration bildet den motivischen als auch narrativen Hintergrund
der Malereien des jungen Künstlers. Als Kulisse wählt er eine Landschaft,
die nicht im öffentlichen Fokus liegt. Sie zeichnet sich durch den Verzicht
auf die ständigen und ostentativen Gesten der Erneuerung und Instand-
haltung aus, die auf die Rationalität und Ökonomie moderner Zivilisation
verweisen. Der sich unbeachtet und leise vollziehende Prozess des Verfalls,
der diese städtischen Randzonen prägt, erfährt in seinen Bildern eine
Beschleunigung und gelangt zu dramatischen Höhepunkten, die das
Moment gewalttätiger Zerstörung in sich bergen.

Verlassene Fabriksgebäude und ehemalige Industriehallen werden auf
beunruhigende Weise von Farb- und Formexplosionen überlagert, die die
Spuren der Zivilisation unter sich begraben. Die innerbildliche Lichtqualität
erinnert nicht an natürliche Quellen, sondern in ihrer Stärke und Eigentümlichkeit
an medial vermittelte Bilder kriegerischer Auseinandersetzungen oder atomarer
Katastrophen. Allerdings ist es hier nicht die menschliche Hand, die den Prozess
steuert, sondern die menschenfeindliche Atmosphähre einer Wildnis, die sich
jeglicher Reglementierung und Nutzbarmachung entzieht und mit großer
Vehemenz den Raum einfordert.

In diesen apokalyptischen Szenarien, in denen selbst die Naturgesetze ihre
Gültigkeit verloren zu haben scheinen, finden sich einzelne Gestalten wieder, die
von diesen wuchernden Strukturen einverleibt werden. Dabei handelt es sich um
den Typus des Antihelden, der zum Protagonisten des Geschehens in dieser
fiebertraumartigen Wirklichkeit wird. Er begegnet dem Betrachter meist in Form
stereotyper Männerbilder oder Grotesken. Zum einen tritt er als Einzelgänger im
Kampf mit den Elementen in einem brennenden Inferno in Erscheinung aus dem
es kein Entrinnen gibt. Er steht dem Geschehen machtlos gegenüber und er hat
keinen Einfluss auf sein Schicksal. Zum anderen begegnet er uns in der Rolle
des Narren, der sich - durchtrieben und ohne Rücksicht auf moralische Prinzipien -
Souveränität verschafft und in diesem ungastlichen Klima sein Auskommen findet.

Die entfesselte und bedrängende Energie dieser Malerei geht über die Grenzen
des Bildraums hinaus und die vom Raum überwältigten Gestalten finden sich im
Betrachterraum wieder. Die eigene und innerbildliche Wirklichkeit geraten
aneinander. Offen bleibt, wer hier einer Illusion unterliegt und welche sich als
beharrlicher erweist.

Katerina Cerny, Text zur Ausstellung Oliver Kropf - High and Dry,
Brunnhofer Galerie, Linz 2007