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Oliver Kropf setzt sich als figurativer Maler mit den Herausforderungen und
Umbrüchen unserer Zeit auseinander. Inmitten von Unsicherheit, Wertewandel
und dem Fortschritt sowie dessen möglicher Erschöpfung erforscht er die
Grenzen der Realität. Seine Bildwelten verbinden Mensch, Tier und Maschine
zu komplexen, ineinander verschachtelten Daseinsformen und inszenieren eine
Choreografie, in der Raum und Zeit verschoben erscheinen.

Kropfs Werke sind geprägt von einer Mischung aus Traum und Wirklichkeit,
beeinflusst von Themen wie Popkultur, Fashion, Transhumanismus, und Dystopie.
Im Zentrum steht stets die Frage nach dem Wesen des Menschseins und der
Menschlichkeit. Die von ihm geschaffenen, technoid geharnischten und verletzten
Figuren ertasten die Wirklichkeit und verschaffen sich auf eindringliche Weise Gehör.

In seinem Gemälde „0098 – Beyond“ transformiert Oliver Kropf das ikonische
Plattencover von Beyoncé „Cowboy Carter“ in eine surreale Vision zwischen
Popkultur und Dystopie. Die Sängerin erscheint als technoide Reiterin auf einem
erschöpften Pferd mit Turbinenschwanz. Umschwirrt und begleitet werden Reiterin
und Ross von überdimensionalen Insekten - Symbolen der Überwachung und Be-
drohung. Im Zentrum des Geschehens buhlt ein leuchtrosa Umschnalldildo um
Aufmerksamkeit. Hier erschafft Kropf eine apokalyptische Szenerie, die Fragen
nach Identität, Fortschritt und der Rolle ikonischer Körper in einer überinszenierten
Welt aufwirft.

Im Gemälde "00105 - Dolly" wiederum zeigt uns Oliver Kropf die Countrylegende
Dolly Parton als transhumane Reiterin eines Fabelwesens. Mit Cowboyhut und
Westernhemd sitzt sie seitlich auf einem sich aufbäumenden Einhorn. Ihr künstliches
Auge fixiert den Betrachter sezierend. Vervielfachte Gliedmassen und ein Roboterarm
verweisen auf eine fragmentierte Identität im Zeitalter der Selbstoptimierung. Das
Horn des Fabelwesen - einst ein Symbol für Magie und Vitalität - erscheint nun müde
und entzaubert. Der mit einem winzigen Fenster ausgestattete, türkisfarbene Raum
wirkt wie ein Gefängnis der Inszenierung. Zu Füssen von Reiterin und Einhorn liegt
eine abgestreifte menschliche Haut und ein Fastfoodbecher - Zeichen für Konsum,
Verwandlung, und Vergänglichkeit.

Kropfs Malweise ist geprägt vom Zufall: Farben werden aufgetragen, Strukturen
entstehen und werden mehrfach überarbeitet, bis abstrakte und figurative Inhalte
sichtbar werden. Die Zufälligkeit dient ihm als kreatives Werkzeug, um neue
Bildwelten zu erschaffen.

Mit seinen Werken macht Oliver Kropf auf das rücksichtslose Streben der Menschheit
in den Materialismus aufmerksam und thematisiert die Fragilität des Daseins in einer
von Narzissmus, Transhumanismus und Digitalisierung geprägten Welt. Seine Kunst
lädt dazu ein, die unaufhörliche Wandlung der Welt bewusst wahrzunehmen und in die
Tiefen ihrer facettenreichen Wirklichkeit einzutauchen.

Andrea Dallago, Oliver Kropf - Ein figurativer Maler, Zürich 2026